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Blaues Wunder! Blaume Blume! Blauer Montag! Heute wieder blau gewesen!

Blaues Wunder! Blaume Blume! Blauer Montag! Heute wieder blau gewesen!

blauwärts“ – ein Ausstellungsprojekt mit Sabine Becker

Ich beschreibe dieses Projekt, um dem nibelungischen Großprojekt eine kleine, einsemestrige Veranstaltung mit acht Studierenden, die unter 1000 Euro gekostet hat, an die Seite zu stellen. So wird schnell die Bandbreite des Möglichen deutlich.

Die Motivation für dieses Projekt, das sich im Wesentlichen an Studierende der Kunstwissenschaft richtete, war, Studierende unmittelbar in Kontakt mit einer in Konstanz arbeitenden Künstlerin zu bringen, dh. auch die Produktionsseite von Kunst zum Teil einer kunstwissenschaftlichen Veranstaltung zu machen. Wie arbeitet eine Künstlerin? Wie sieht ihr Atelier aus? Wie sind die Arbeitsabläufe? Wie bereitet eine Künstlerin eine Ausstellung vor?

Der Grund, mit Sabine Becker zu arbeiten, lag – jenseits einer langjährigen Freundschaft – in ihrer Entscheidung, direkt mit kobaltblauem Pigment und nicht etwa mit bereits fertigen Farben zu arbeiten. Das Pigment – sowie das Material, aus dem dieses Pigment gewonnen wird – spielt für gewöhnlich in der kunstwissenschaftlichen Betrachtung allenfalls eine untergeordnete Rolle. Dieses Projekt gab die Chance, es zum Protagonisten werden zu lassen.

Schließlich bestand der Reiz dieser Veranstaltung darin, gemeinsam zu überlegen, wie eine Studierendengruppe so in den Raum einer Kunstausstellung intervenieren könnte, dass eine Intensivierung des Kunsterlebens gerade bei BesucherInnen ohne besondere Vorbildung erreicht würde. Die Ideen waren anfangs raumgreifend, wild, anarchisch und reduzierten sich im Laufe des Projektes auf folgende in Gruppen erarbeitete Bereiche:

  1. der Raum wurde mit neun Holzhockern versehen, die als Audiostationen ausgerüstet waren. Hier kann man einerseits ein Interview mit der Künstlerin, andererseits Gedichte, die ‘blau’ thematisieren sowie Ausführungen zur blauen Blume des Heinrich von Ofterdingen, wie ihn Novalis’ berühmter Roman imaginiert, schließlich Kulturgeschichtliches zur Verwendung von Kobaltblau seit der Antike
  2. acht Stelen aus Plexiglas gliedern den Raum. Sie tragen Begriffe wie „Tiefe & Sog“ oder „Erfahrung & Farbe“ und sollen, ergänzt durch kleine Wandtexte, BesucherInnen dazu anhalten, die Bilder von bestimmten Orten im Raum auf sich wirken zu lassen und die Veränderungen selbst zu entdecken, die sich aus und mit der Bewegung des Besuchenden im Raum ergeben.
  3. eine Broschüre ergänzt die Ausstellung um ein kleines, von den BesucherInnen selbst durchführbares Experiment.

Das Kalkül des Projektes ging auf: das Museum berichtete sowohl von höheren Besucherzahlen als auch von einer längeren Verweildauer, die eindeutig auf den Beitrag des studentischen Projektes zurückzuführen war.

Beteiligte:

  • Dr. Albert Kümmel-Schnur, Universität Konstanz, Studiengang Literatur-Kunst-Medien
  • Sabine Becker, freie Künstlerin, Konstanz
  • Moritz, HTWG Konstanz
  • Studierende des Studiengangs Literatur-Kunst-Medien
  • Stadtmuseum und Galerie Engen

Ergebnisse:

  • Gestaltung des Kapellenraums des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Engen, in dem heute Stadtmuseum und Galerie des Stubbenvereins untergebracht sind.